Zypern ist die drittgrösste Insel im Mittelmeer und liegt östlich, unterhalb der Türkei. Die ganze Insel ist ein Staat, aber wegen verschiedener Ansprüche faktisch zweigeteilt. Die grössere südliche Hälfte ist griechisch, während die nördliche Hälfte türkisch ist. Seit 2004 ist die Republik Zypern Mitgliedstaat der Europäischen Union.

 

Zypern, die Heimat der Schönheitsgöttin Aphrodite, zeigt sich im Frühling in einem farbenprächtigen Blumenmeer. Die Fauna ist vielfältig und besonders zu den Zugzeiten lassen sich viele ornithologisch interessante Beobachtungen machen. Jedoch herrscht auf der Insel ein schreckliches Geschäft, welches Jahr für Jahr zum Tod von über einer Million Vögel führt. "Ambelopoulia" heisst es und beschreibt gebratene Grasmücken, welche den Touristen als zypriotische Delikatesse angeboten werden. Gefangen werden die Vögel mit Leimruten und Netzen. Leimruten sind ca. 80 cm lange Stäbe, welche mit einer klebrigen Masse, die aus bestimmten Früchten gewonnen wird, präpariert werden. Diese Leimruten werden in Büschen und Bäumen ausgelegt. Häufig werden die Büsche noch so ausgeschnitten, dass die Leimruten einen attraktiven Landeplatz abgeben. Landet ein Vogel darauf, hat er keine Chance mehr zu fliehen. Bei beiden Fangmethoden werden die Vögel meist noch mit elektronischen Geräten angelockt. Vorwiegend ist der Gesang der Mönchsgrasmücke zu hören, welche der am häufigsten getötete Vogel ist. Beim Fangen mit Netzen werden die Lockgeräte oft ab Mitternacht auf volle Lautstärke abgespielt und bei Dämmerung runtergedreht. Danach werden die Vögel eingesammelt und mit einem Genickbruch gleich getötet. Mit Netzen ist es möglich, hunderte von Vögeln pro Tag zu fangen.

Eine Grasmücke bringt schätzungsweise drei bis fünf Euro ein. Die "Delikatesse" wird schliesslich um das zehnfache mehr angeboten. Nach den EU Vogelschutz-Richtlinien ist das Einfangen, Töten und Handeln mit wildlebenden Vogelarten verboten (Ausnahmen sind in den Richtlinien aufgelistet). Weil das Essen von Vögeln auf Zypern aber eine Tradition hat, tun sich die Behörden schwer, das inzwischen massive Problem anzugehen. Seit 20 Jahren ist die Organisation Migratory Bird Conservation in Cyprus (MBCC) jeden Frühling und Herbst vor Ort und kämpft mit freiwilligen Helfern gegen den Vogelmord. Auch das Komitee gegen den Vogelmord e.V.*, unterstützt durch die Stiftung Pro Artenvielfalt, ist seit 2009 regelmässig im Raum Cape Greko Larnaca im griechischen Teil aktiv.

Jede Nacht sind die Mitglieder stundenlang unterwegs und lokalisieren anhand der laut abgespielten Lockgeräte so viele Vogelfänger wie möglich, die sie anschliessend am Morgen mit der Polizei aufsuchen. Diese behördliche Unterstützung ist ein Erfolg, allerdings entstand eine erste Zusammenarbeit erst letzten Frühling.

Viele Zyprioten wagen noch nicht, sich gegen „Ambelopoulia“ zu stellen, weshalb sich die Zusammenarbeit häufig noch schwierig gestaltet. Mit Hilfe wichtiger Partner vor Ort, wie Friends of the Earth (FoE) Cyprus und Terra Cypria sowie BirdLife Cyprus, werden gemeinsame Kampagnen bereitet und die Akzeptanz gefördert.

Dank dem Druck der Vogelschützer haben die Behörden auf Zypern 2011 den Vogelmord als organisiertes Verbrechen anerkannt. Inzwischen wird eine Einheit der Polizei von sieben Mann zur Verstärkung der Vogelschützer aufgeboten. Aber für das grosse Umdenken ist noch viel Druck und Aufklärung nötig und Zeit bleibt wenig, in Anbetracht der Tatsache, dass Zypern leider nicht das einzige Land ist, das im grossen Stil Vögel tötet.

 

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